Freitag, 14. August 2015

Safran-Eis mit karamellisierten Wildpfirsichen.
Oder: Der Eisportionierer.

Ich besitze jetzt einen Zestenreißer und ein Nudelrädchen. Das kam so:

Es ist der heißeste Tag des Jahres, mal wieder, und ich beschließe, dass man kein Eis fotografieren kann, ohne dass ein Eisportionierer auf dem Bild zu sehen ist.

Im Deko-Küchen-Tralala-Geschäft gibt es eine Wand voller Küchenschubladen-Liegrumchen, doch ein Haken ist frei: Kombiniere, dass hier die Eisportionierer hingen und frage den jungen Herrn an der Kasse danach, der nicht weiß, wovon ich spreche. „Na, so einen großen Löffel, um aus Eis Eiskugeln zu formen.“ Er glaubt, sowas hatten sie noch nie, seine Kollegin geht mit mir nochmal zur Wand. Deutet auf Kaffeeabmesslöffel und Melonenaushöhler, ich schüttele traurig den Kopf. Plötzlich erhellt sich ihre Miene, sie sei sich jetzt sicher, wo sie liegen. Innerlich recke ich die Faust in die Luft und rufe „Heureka!“, bis sie wieder vor mir steht und mir  freudestrahlend einen Crushed Ice Maker entgegenstreckt. Ich schüttele traurig den Kopf. Will aber was kaufen. Schleiche noch mal zur Wand, um den leeren Haken hypnotisieren. 
Dann kaufe ich einen Zestenreißer und ein Nudelrädchen, weil ich schon mal was fotografieren wollte und dazu jeweils gerne einen Zestenreißer und ein Nudelrädchen gehabt hätte. Gab´s damals aber auch nicht. Was man hat, das hat man, denke ich. Insgeheim weiß ich aber genau, dass ich bei der nächsten Gelegenheit, die nie kommen wird, den Zestenreißer und das Nudelrädchen nicht finden werde.


Merke: 
1. Es gibt Dinge, die braucht man nicht.
2. Und wenn man sie braucht, weiß man nicht, wo sie liegen.
3. Wenn man sie dringend braucht und noch nicht besitzt, sind sie ausverkauft.

Es gab übrigens nirgendwo einen Eisportionierer. Die sind wahrscheinlich alle in der gut klimatisierten Halle, in der auch alle Ventilatoren versteckt sind und in der böse Menschen den ganzen Tag lachen.  

Merke 4.: Eis ohne Eisportionierer geht auch, sogar ganz ohne Eismaschine. Diese erleichtert die Arbeit etwas, aber man benötigt sie nicht zwingend. Eine Kastenkuchenform, ein Esslöffel und eine Eieruhr tun es auch.


Zutaten für 700ml oder eine Kastenkuchenform voll Safran-Eis mit karamellisierten Wildpfirsichen:

3 Eigelb (bitte ganz frische Eier verwenden)
100g Zucker
250ml Milch
200ml Sahne
3 Wild-/Plattpfirsiche
etwas Honig (ca. 3-4 TL)
5-7 Safranfäden

2 Rührschüsseln
1 großen Topf
1 kleinen Topf
1 Sieb
1 Holzrührlöffel

Den Backofen auf 200 Grad  Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Pfirsiche waschen und wie ein Brötchen aufschneiden, sodass ihr eine obere und untere Hälfte habt. Die Kerne entfernen und die Pfirsichhälften mit der Schnittfläche nach oben auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Mit dem Honig beträufeln oder bestreichen. Die Pfirsichhälften in den Ofen geben und so lange backen, bis der Honig karamellisiert ist - das dauert 10-15 Minuten. Die Pfirsiche dann abkühlen lassen und entweder in Stücke schneiden oder mit einer Gabel zu Mus zerdrücken.

Die drei Eigelb und den Zucker schaumig rühren, bis eine weiße Masse entstanden ist.
Einen großen Topf mit Wasser aufsetzen - das Wasser erhitzen, aber nicht kochen. Eine Schüssel bereitstellen, die oben auf den großen Topf passt; in dieser wird die Eismasse im Wasserbad erhitzt. Parallel füllt ihr euer Waschbecken mit kaltem Wasser, gebt ggf. noch einige Eiswürfel hinein. Dieses kalte Wasserbad benötigen wir nach dem heißen.
 
Die Milch mit den Safranfäden in einem kleinen Topf erhitzen (nicht kochen) und dann unter stetigem Rühren in die Ei-Zucker-Masse rühren. Entweder diese Rührschüssel oder eine zweite auf den Topf mit dem heißen Wasser setzen. Unter Rühren wird die Masse nun im Wasserbad erhitzt (nicht gekocht!), bis sie sich zur Rose abziehen lässt. Das kann man erkennen, indem man einen Holzlöffel (ohne Loch in der Mitte) in die erhitzte Masse taucht und auf seine Rückseite pustet. Schiebt sich die Masse durch das Pusten auf dem Löffel zur Seite und sieht das Muster, das sie bildet, aus, wie eine Rosenblüte von oben, ist die Masse fertig erhitzt.

Die Milch-Zucker-Ei-Masse wird nun durch ein Sieb in eine weitere Rührschüssel gegossen und im kalten Wasserbad gerührt. Die Sahne schlagen und unter die kaltgerührte Masse heben. Diesen Schritt könnt ihr auch überspringen und die Sahne flüssig unterrühren.


Habt ihr eine Eismaschine, füllt ihr die Eismasse nun mit den Pfirsichstücken ein und verfahrt nach der Anleitung des Geräts. 
Falls nicht, könnt ihr eine Rührschüssel oder eine (Kasten-)Kuchenform nehmen, diese ggf. mit Frischhaltefolie auslegen und die Eismasse gemeinsam mit den Pfirsichstücken hineingeben. Das Eis muss mindestens vier Stunden gefrieren, eher etwas länger. Der Nachteil für uns Eismaschinenlosen: Wir müssen das Eis nun jede halbe Stunde einmal kräftig durchrühren. Das sollte mindestens sechsmal passieren; wenn man es mal vergisst, ist das nicht schlimm, man kann das Eis auch über Nacht gefrieren lassen. Aber einige Male (meine Empfehlung sind eben sechs Rührdurchgänge) sollten gemacht werden, damit das Eis schön cremig wird.

Hoffentlich habt ihr euch noch nicht an Eis übergessen - was ist eure Eissorte des Sommers?

Ich wünsche euch Schönes

Natalie





Kommentare:

  1. Ungefähr so kam ich zu einer hübschen alten Geflügelschere und einem Mini-Beil. Was ich vermutlich beides nie (für den vorgesehen Zweck) verwenden werde ;) Aber macht sich ja toll auf Fotos!

    P.S. Beim Depot gab's letztens Eisportionierer.

    Liebe Grüße
    Marlis

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  2. Meine Liebe,
    dass klingt grandios!
    ... Und den Eisportionierer schenke ich Dir bei unserem nächsten Wiedersehen 😊
    Liebe Grüße
    Christina

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  3. Ja, das kenne ich mit den Dingen, die man nicht braucht und die die man braucht :-) Aber das Eis macht auch eine gute Figur ohne Portionierer und so lecker wie es klingt und ausschaut ist portionieren wahrscheinlich zwecklos ;-). Ich liebe Vanilleeis in allen erdenklichen Variationen aber dein Rezept ist sehr verführerisch.
    Liebe Grüße
    Doreen

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